Kinder lieben heißt: ihr Herz sehen, nicht ihr Verhalten
In diesem Gespräch geht es um die Frage, was mit Kindern passiert, wenn Erwachsene ihre eigenen Gefühle und ihr Herz über Jahre hinweg unterdrückt haben - und welche Folgen das für den Alltag in der Kita hat. Statt das ,schwierige" Verhalten von Kindern zu problematisieren, lade ich dazu ein. den Blick auf ihre Not, ihre Ausweglosigkeit und auf die Verwicklungen der Eltern zu richten. Wahre Veränderung ist erst möglich, wenn Erwachsene wieder Zugang zu ihrer inneren Stimme finden. Im Zentrum steht eine einfache, aber radikale Definition von Liebe: das bedingungslose Interesse an der Entfaltung des Kindes - und was das für Fachkräfte in der Kita-Praxis bedeutet.
Meine Erfahrung mit eigenen und anvertrauten Kindern, inzwischen auch mit Enkelkindern, zeigt mir, das in dem Raum der Begegnung, in diesem Augenblick, alles offen ist. Wenn ich dieser Offenheit traue, ohne eine Absicht, ist das der Kompass für das, was daraus entstehen möchte.
Dieser Lebendigkeit zu vertrauen, mich ihr zu überlassen und dabei das bedingungslose Vertrauen der Kinder spüren, ist ein großes Geschenk, eine Art Verzauberung. Dann weiß ich, wie wir Menschen gemeint sind.
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Gabriele
Hierzu fühle ich, dass ich meinen "Senf" dazu geben mag, mit denen ich Geralds Worte gerne ergänzen möchte. Zum einen war ja die Frage, was man mit den Kindern macht, die 10 Stunden Kita-Alltag ertragen müssen, obwohl sie noch nicht mal drei Jahre alt sind. Dazu kann ich nur sagen: Sie so liebevoll begleiten, wie es nur möglich ist. Aus eigener Erfahrung auf beiden Seiten - Mutter und Pädagogin in der Kita - möchte ich sagen, dass dies einen Unterschied machen kann. Damit meine ich nun keine pädagogisch sinnvolle Begleitung sondern eben das, was das Kind in dem Fall braucht. Ich hatte das Glück solch eine Kollegin/Bezugsperson für meinen U3 Sohn zu haben, als ich als ziemlich frisch gebackene Mutter auch noch die Meinung hatte, dass ich doch locker 30 Stunden arbeiten könnte und diese Kita mal nebenbei leiten kann. Folglich hatte mein Sohn auch oft lange Tage in der Krippe. Er war bei meinen Krippenkolleginnen allerdings so liebevoll aufgehoben, dass wir diesen "Ausrutscher", den ich nach einem halben Jahr arbeiten dann eingesehen und rückgängig gemacht habe, wieder auffangen konnten.
Das zweite, was ich gerne ergänzen möchte, ist, dass es in solch einem Fall auch wichtig ist, die Herzen der Eltern verstehen zu wollen anstatt ihr Verhalten zu beurteilen. Wir wissen nie genau, was in ihnen vorgeht.
Ich hatte schon weinende Eltern da, die fühlten, dass dies nicht in Ordnung ist, jedoch auch keinen Ausweg sahen - die sind gerade in einer Überforderung und handeln deshalb so, wie eben dann auch das Kind, das in der KiTa um sich schlägt, weil es in seiner Not alleine ist. Manchmal liegt das "Problem" nicht direkt in den Eltern begründet. Wenn man zuhört um zu verstehen, kann man da manchmal helfen, die Perspektive zu wechseln, damit die Eltern selbst ihren Ausweg erkennen können.
Für mich ist der Weg, Eltern zu begleiten, der, niemanden und auch keinen Weg oder Wegabschnitt zu verurteilen, sogar nicht mal zu bewerten. Sonst müsste ich mich auch ganz schön an den Pranger stellen - wer trifft schon sein ganzes Elternsein die richtigen Entscheidungen?
Und ja, die Kinder können einem Leid tun, wenn sie etwas austragen müssen, das die Eltern gerade noch nicht fähig sind, selbst zu lösen.
Doch anstatt nur den Kindern die liebevolle Begleitung zu schenken, denke ich ist es absolut wichtig, dass wir auch den Eltern diese liebevolle Begleitung schenken.
Und zugleich finde ich es notwendig, vorurteilsfrei jeden Menschen - auch Eltern - ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Für manche Kinder scheint die KiTa ein wunderbarer Ort zu sein - auch wenn ich es mit meinen Augen anders sehe. Doch manche Eltern haben damit keine Herausforderungen und sind deshalb oft nicht offen für Hinterfragen und leben dann dieses Leben und die Erziehung eben so, wie sie im Buche steht und wie sie wunderbar in unsere institutionelle Pädagogik passt. Sowohl vor und vor allem während der Schule.
Auch diese Eltern habe ich gelernt ehrlich zu akzeptieren, ihnen zuzuhören um zu verstehen und zu begreifen, dass es für sie keinen Grund gibt, etwas zu verändern.
Ich war auch ein solches Kind, mehr oder weniger. Bin ja auch durch diese Institutionen durch gegangen und habe dennoch die Fähigkeit entwickelt, als Erwachsene für mich selbst entscheiden und sehen zu können, was ich für mich und meine eigenen Kinder richtig halte. Wenn es die Eltern dieser Kinder nicht schaffen, dann lasst uns wenigstens den Kindern vertrauen, dass sie es hin kriegen. Und da kann eine Erzieherin in einer Krippe/KiGa den Samen setzen, indem es das macht - sofern sie es durch Rahmenbedingungen und persönlichen Ressourcen leisten kann (das ist noch mal ein ganz anderes Thema) - was die Eltern gerade nicht schaffen: In den Stunden diese liebevolle Begleitung sein, die sie eigentlich von den Eltern wünschen würden. So kann man übrigens auch eine Inspirations-, Impuls- und Einladungsquelle sein. ;-)
