Zum Glück sind wir keine Computer
Impuls von Gerald Hüther
Ein wunderbares Plädoyer für Menschlichkeit in einer mehr und mehr technokratisch verwalteten Gesellschaft ✨🔱💯
Ich möchte einen Aspekt gerne genauer beleuchten. Weshalb es so eine große Herausforderung ist, aus diesem unmenschlichen System und dysfunktionalen Gruppen auszubrechen.
Wenn ein Mensch den Schritt aus der Theorie in die gelebte Praxis wagt, stößt er auf eine oft unsichtbare, aber mächtige Dynamik: die systemische und trauma-bedingte „Krabbenkorb-Mentalität“.
Wenn eine Krabbe versucht, den Korb zu verlassen, wird sie von den anderen in den Korb zurückgezogen.
Dies geschieht nicht aus Bosheit, sondern oft aus unbewusster Angst, Neid oder dem tiefen systemischen Glaubenssatz: „Wenn ich hier drinnen leiden muss, darfst du nicht frei sein.“
Der Krabbenkorb im realen Leben ist aus einem strukturellen Trauma gewoben und wurde institutionalisiert:
Die Existenzangst dient als dabei Kontrollmechanismus.
Das System ist so gebaut, dass die Befriedigung von Grundbedürfnissen (Dach über dem Kopf, Nahrung) an die Bedingung geknüpft ist, seine Lebenszeit zu verkaufen oder sich den bürokratischen (oft entwürdigenden) Regeln des Amtes zu unterwerfen.
Menschen in diesem System mussten lernen, ihre lebendigen Bedürfnisse zu unterdrücken, um dazuzugehören, um überleben zu können.
Wie Gerald es treffend formulierte: Wer diese Unterdrückung perfektioniert, funktioniert wie eine Maschine.
Der Krabbenkorb sorgt nun dafür, dass niemand dieses „Funktionieren“ infrage stellt – denn wenn einer ausbricht, zeigt das den Zurückbleibenden die eigene Unfreiheit.
Das schmerzt. Also wird der "Ausbrecher" zurück in den Korb gezogen.
Ein Mensch, der radikal austritt, ist im westlichen System oft sozialer Isolation und physischer Not ausgesetzt. Der Raum für ein "schöpferisches Leben" außerhalb seiner "Arbeitskraft-Verwertung" ist extrem eng.
Eine Inspiration könnte aus Indien kommen.
"Sadhus" als System-Aussteiger.
Im Hinduismus gibt es die "Sadhus". Ein Sadhu bricht radikal mit der Gesellschaft.
Er legt seinen Namen ab, gibt seinen Besitz auf, bricht die Verbindung zur Familie ab und gilt rituell oft sogar als „verstorben“ für das weltliche System.
In Indien ist diese Art von Ausstieg ein Teil der Kultur. Sadhus werden von der Gesellschaft respektiert.
Die Menschen stempeln Sadhus nicht als parasitäre Bettler ab. Sie lassen ihre Sadhus nicht verhungern, sondern geben ihnen Essen.
(Ich möchte die gesellschaftlichen Strukturen in Indien hier nicht verklären oder schön reden. Mahatma Ghandi musste auch resignierend feststellen, dass ein Volk, welches sich der Kastenlehre unterwirft, nicht bereit für ein Leben in Eigenverantwortung und Freiheit ist. Dennoch finde ich, dass die Möglichkeit als Sadhu leben zu können, prinzipiell einen Lösungsweg darstellt, um aus dem Krabbenkorb rauszukommen.)
Im Hinduismus ist also ein eingebautes „Stipendium“ für das Verrückt- und Anderssein integriert, weil anerkannt wird, dass diese Menschen die Verbindung zur Unendlichkeit (oder dem Göttlichen) halten, während der Rest im Hamsterrad der Endlichkeit arbeitet.
In der westlichen, hyper-rationalen Welt fehlt dieser Schutzraum für "Aussteiger" völlig. Wer hier aussteigt, gilt nicht als „heilig“, sondern als „faul“ oder „psychisch krank“. Der Krabbenkorb schnappt zu.
Um Geralds visionären Ansatz von den „Gelegenheiten zur Entfaltung“ flächendeckend wirksam werden zu lassen, braucht es daher mehr als den individuellen Entschluss.
Es braucht strukturelle Schutzräume – Refugien, die wie ein „Sanktuarium“, eine zwischenmenschliche Oase oder ein freies Stipendium wirken, um Menschen während ihres schöpferischen Wandels vor den Greifarmen des systemischen Krabbenkorbs zu schützen.
In meinem Leben sieht der Krabbenkorb so aus:
Meine Familie sagt ganz klar: "Gehe arbeiten und verkaufe deine Lebenszeit für Geld oder gehe zum Amt."
Psychisch und körperlich sind sie alle am Leiden. Nur materiell sind alle gut abgesichert.
Sie besitzen Häuser, Aktien und können Weltreisen machen.
Aber dafür haben sie einen hohen Preis bezahlt. Sie haben dafür im ,"Karriere-Hamsterrad" schwer gelitten.
Und das ist auch ihre Lösung für mich.
Warum sollte es mir besser ergehen als ihnen? Ich könnte ja auch im Supermarkt Regale auffüllen oder Toiletten putzen.
Ich habe für mich meine eigene Version der "Sadhu-Lösung" gewählt. Ich betrachte mich als „verstorben“ für das weltliche System und die Menschen in diesem System.
Ich vertraue bedingungslos der "Schöpfung" und wenn der Preis dafür mein Leben ist, dann ist dem so.
Die Angst vor dem Tod ist übrigens der Ursprung aller Ängste und der stärkste Motor im Krabbenkorb zu bleiben.
Vertrauen darin zu haben, dass das Bewusstsein unsterblich ist und sich nur die "Form" verändert, wäre sehr hilfreich.
Der Tod sollte weder verdrängt werden, noch als Fluchtmöglichkeit missbraucht werden.
Aber nun wieder zum Ausbruch aus dem Krabbenkorb:
Falls ein Mensch wirklich etwas für die "Menschlichkeit" machen will, dann könnte er sich ehrlich fragen: In welchem Bereich in meinem Leben, reagiere ich noch wie eine Krabbe und ziehe andere nach unten in den Korb zurück?
Und wenn er das erkennt, und dann aus Einsicht heraus einer Krabbe beim rauskrabbeln hilft, dann können Gruppen entstehen, in denen Menschen ihr volles Potenzial entfalten können.
Doch im Moment befinden wir uns noch in einem Paradoxum:
Die Menschen, die aus dem System heraus wollen, haben keine finanziellen Mittel. Und die Menschen, die finanzielle Mittel hätten, geben diese nicht freiwillig her.
Wie könnte dennoch der Ausbruch aus dem Krabbenkorb gelingen, ohne gleich ein Sadhu zu werden?
Eine Möglichkeit zum Beispiel wäre: Eigenverantwortliche Individuen, die eine Patenschaft für ein Mitglied in ihrer Familie übernehmen.
Etwa: Eine wohlsituierte Frau erkennt, dass die Tochter ihrer Schwester aus dem klassischen Arbeitssystem ausbrechen will. Die Nichte würde sich gerne selbstständig machen, doch hat Angst davor, dass sie es finanziell nicht schafft.
Also wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit nicht.
Doch als ihre Tante Unterstützung anbot, indem sie der Nichte die monatliche Miete finanzierte, solange bis sich die finanzielle Lage stabilisiert hatte, dann wagte die Nichte den Sprung in die Selbstständigkeit.
Noch eine Möglichkeit könnte eine private Initiative sein, die Stipendien für "ausbruchswillige" Menschen bereitstellt.
Also, wer seinen Beitrag dafür leisten mag, das Menschen aus dem Krabbenkorb herauskommen, mag sich in seiner Umgebung umschauen, welcher junge Mensch Unterstützung bräuchte, damit er nicht als funktionales Objekt im Karriere-Hamsterrad endet.
Es braucht neue Strukturen für ein
neues Miteinander, damit zwischenmenschliche Oasen aufblühen können. Und diese können nur gedeihen, wenn genügend Menschen aus dem Hamsterrad/Krabbenkorb herausgefunden haben.
Also anstatt in United Steel-Aktien oder in Kryptowährungen zu investieren, könnte Geld als privates Stipendium für Menschen eingesetzt werden, die etwas Neues für das Wohl aller aufblühen lassen. Von eigenverantwortlichen Menschen direkt für eigenverantwortliche Menschen.
Hier noch eine Geschichte, die das Leben schrieb:
Eine Gruppe von alternativ orientierten jungen Menschen bewirtschaftete einen Bauernhof, den sie gemietet hatten. Die Gruppe backte Brot, war sozial im Dorf aktiv und betrieb auch ein Dorf-Café.
Dann kam der Tag, an dem der Bauernhof-Besitzer der Gruppe erklärte, dass er den Mietvertrag nicht verlängern wird, da er das Grundstück verkaufen will.
Die jungen Menschen waren geschockt. Das Geld für den Kauf hatten sie natürlich nicht.
Doch dann passierte ein Wunder:
Die Dorfbewohner taten sich zusammen und setzten sich für die Gruppe ein.
Sie übernahmen eine Bürgschaft bei der Bank für die jungen Menschen!
Sie konnten auf dem Bauernhof bleiben und ihre Oase weiter aufblühen lassen.
Manchmal braucht es nur eine Bürgschaft.
Wenn ich jetzt diese Geschichte weiter webe, kommt mir folgende Idee in den Sinn, wenn ich sie auf das gesamte Land übertrage.
Es bräuchte theoretisch 3 Gruppen von Menschen für die landesweite Realisierung von aufblühenden Oasen.
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Eine Gruppe von Menschen, die Grundstücke/Bauernhöfe etc organisiert. (finanziell -organisatorische Seite)
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Ein deutschlandweit agierendes Mediatoren-Team für die Potenzial-Entfaltung.
Ein Team, dass die "sozialen Kompetenzen" der Gruppenmitglieder fördert.Menschen aus dem Krabbenkorb raus zu bekommen, ist die eine Seite.Die Krabbenkorb-Mentalität aus dem Menschen heraus zu bekommen, ist die andere Seite der Münze. Wenn dieser Aspekt ignoriert wird, kann das sehr schnell den Untergang einer Gruppe durch ständige Konflikte bedeuten.
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Und natürlich braucht es die Menschen, die miteinander in der Oase leben und sie zum aufblühen bringen.
Dieses Abenteuer ist die größte Herausforderung von allen.
Klingt das utopisch? Definitiv.
Doch alle Ideen der Menschen begannen erst mal als Utopie: Als eine Idee in einem Kopf, dessen neuronale Synapsen außerhalb der Norm arbeiteten. ✨🎉
Und natürlich bräuchte es erst einmal eine einzige fruchtbare Oasen-Keimzelle als Prototyp, die dann Ableger bildet. 🌱🌄
