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Buchrezension: Sind unsere Kinder egoistisch?

Sind unsere Kinder egoistisch? Entwicklung, Potentialentfaltung und soziale Medien im Kindes- und Jugendalter von Marko O.G. Schaumburg

Für mich ist dieses Buch ist eine klar und verständlich geschriebene Reise in die Welt der "Geltungskompetenz".

Das Thema "Geltungskompetenz" ist meines Erachtens eine zentrale Stellschraube, damit Kinder ihr einzigartiges Potential frei entfalten können.

Es ist es wichtig zu erkennen, dass Geltungskompetenz wie ein vitaler intrinsischer Entwicklungsmotor wirkt.

Doch auf die Dosierung kommt es an. Eine Überdosierung führt zu Egoismus. Die Unterdosierung führt in die Depression.
Beides wirkt kontraproduktiv auf eine gesunde Entwicklung.

Der Autor stellt diese Dynamik durch Spannungsbögen zwischen den beiden Polen hervorragend dar.

Etwa, dass zuviel Aufmerksamkeit ebenso kontraproduktiv ist, wie eine Umgebung, die dem Kind zuwenig Aufmerksamkeit schenkt.

Sehr stimmig ist auch der Hinweis, dass sogar Potentialentfaltung zur Selbstoptimierung instrumentalisiert und missbraucht werden kann.

Ich springe jetzt mal direkt zum hochaktuellen Thema in diesem Buch: Der heutigen Social-Media-Dynamik.

Denn, wie die meisten von uns bereits erfahren haben, suchen die Jugendlichen nun vermehrt im Netz eine Bestätigung ihres Wertes.
Doch das Tückische ist, dass Algorithmen diese Bestätigung künstlich portionieren. Ein Like ist eine schnelle, billige Form von Geltungsbestätigung – ein kurzes Fastfood-Häppchen für den Selbstwert.

Aber es stillt nicht wirklich den Hunger nach Bindung, sondern macht nur süchtig nach mehr "Like-Häppchen".

Und das Fatale ist: Diese Fastfood-Häppchen befinden sich quasi in einem virtuellen Kühlschrank, der sich ständig selbst befüllt mit neuen Fastfood-Inhalten für den schnellen Konsum.

Und vor allem ist dieser digitale Raum auch ein zusätzlicher "Schulaufenthaltsraum" geworden. Überall und stets verfügbar, 24/7 für Schüler geöffnet.

Dieser Raum hat im Leben der Jugendlichen einen enormen Stellenwert bekommen.
Ein Schüler, der beispielsweise aus einem Chatraum ausgeschlossen wird, kann dies als extrem traumatisierend erfahren.

Der Autor stellt sehr treffend fest, dass dieser digitale Raum von Erwachsenen programmiert/geschaffen wurde.
Und das die Erwachsenen nun die Schüler dort nicht orientierungslos im Regen stehen lassen sollten.

Kinder und Jugendliche suchen heute im digitalen Raum nach einer schnellen Geltungsbestätigung, weil der Leistungsdruck, nicht nur im Bildungswesen, so enorm angewachsen ist.

Dies zu erkennen ist heute von fundamentaler Wichtigkeit. Sehr stimmig, dass in diesem Buch darauf aufmerksam gemacht wird.

Nicht nur das Lehrpersonal sollte die Bedeutung und die möglichen Herausforderungen dieses Raumes kennen.
(Denn es betrifft eigentlich jeden, der sich in der virtuellen Welt bewegt.)

Und natürlich sollten die Schülern vermittelt bekommen, wie sie ihn konstruktiv nutzen, anstatt passiv konsumierend oder destruktiv.

Als Unterstützung für Lehrer
kommt mir folgende Idee in den Sinn:
Wie wäre es als "Gegenschachzug" mit einem 24/7 "virtuellen Lehrer-Raum" hier im Forum-Human?
In dem Lehrer sich austauschen und unterstützen können?
Denn auch die Lehrer wurden ja bisher alleine gelassen.

In diesem Forum könnten Fragen gestellt und erläutert werden.
Oder auch eigene Erfahrungsberichte aus der Praxis eingebracht werden.
Auch Lehrer haben Geltungsbedürfnisse und verfügen über eine intrinsische Kompetenzlust.

Mein Resümee: Ein rundum empfehlenswertes Buch für alle, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten oder sie einfach verstehen wollen, insbesondere in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung.

Buchrezension: Sind unsere Kinder egoistisch?