Forum Humanum – Gedanken zu Würde / Selaism / WahrnehmungGrüße aus einem Land der Kirschblüten und des Huckleberry-Wein
Forum Humanum – Gedanken zu Würde / Selaism / Wahrnehmung
Grüße aus einem Land der Kirschblüten und des Huckleberry-Weins, Big Sky Country.
Ein Ort, an dem Gedanken nicht so schnell aneinander abprallen oder in feste Positionen kollidieren. Hier vergehen Gedanken, langsam auf dem staubigen Fell eines Bisons oder verschwinden im fernen Gebrüll eines Grizzlys, das durch Fleisch und Knochen geht.
Heute war ein guter Tag der Beobachtung.
Ein Konzept, mit dem ich seit langer Zeit arbeite—Selaism (siehe meine Website)—durchläuft das, was ich nur als eine tiefe Veränderung (ein Ende?) bezeichnen kann. Nicht als Scheitern, sondern als Sichtbarwerden. Es wird gerade durch die Diskussion hier im Forum immer klarer.
Was ich in den laufenden Gesprächen über Würde bemerke, ist in mir ein starker Widerstand, wenn Würde vor allem als etwas behandelt wird, das interpretiert werden soll.
Es entsteht ein körperliches Zurückweichen, noch bevor Gedanken einsetzen. Im Bauch, im Kopf, in etwas, das weder reines Denken noch reines Gefühl ist.
Die Interpretation selbst beginnt sich in solchen Momenten als etwas Würdeloses anzufühlen.
Das ist kein moralischer Vorwurf. Es ist eine Wahrnehmungsreaktion.
Mir ist zugleich meine Begrenzung bewusst. Meine Erklärungen sind klein, fragil und unzureichend, um das zu fassen, was ich hier beobachte. Vielleicht sind sie auch gar nicht dazu da, es zu fassen.
Die Wissenschaft nähert sich der Erfahrung auf andere Weise. Sie übersetzt, misst, stabilisiert, sie begreift , sie erzeugt Verständnis. Wie ein Greifvogel, der seine Beute auf die darunterliegenden Felsen fallen lässt—was zuvor ganz war, wird fragmentiert und in anderer Form verfügbar gemacht. Das Leben geht weiter, aber in einer Form, die ich nicht vollständig bewohne.
Was mich an der Diskussion über Würde interessiert, ist nicht ihre Definition, sondern der Moment vor der Definition. Der Moment, in dem sie noch nicht durch Erklärung in Besitz genommen ist.
Selaism in seinem gegenwärtigen Zerfall beginnt genau diesem Schwellenzustand zu ähneln: kein System, keine Lehre, sondern eine Beobachtung dessen, was erscheint, bevor Benennung einsetzt.
Ich verbringe Zeit—heute, morgen und in den kommenden Tagen—mit Beobachtungen, die keine Teilnahme, keine Selbstoptimierung, keine Zustimmung und kein Hurra verlangen. Nur Aufmerksamkeit.
Heute in Big Sky Country ist der Himmel blau.
