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Würde und Eros gehören für mich zusammen.

Nicht als philosophische Begriffe, sondern als leibliche Erfahrung des Menschseins.

Ein Mensch, dem seine Würde genommen wird, verliert nach und nach auch seinen Eros. Nicht zuerst die Sexualität — das ist nur ein kleiner Ausläufer davon — sondern die tiefere Fähigkeit, sich überhaupt noch vom Leben berühren zu lassen.

Eros ist die Bewegung auf das Leben zu.
Die Bereitschaft, sich öffnen zu lassen.
Die Sehnsucht, nicht nur zu existieren, sondern auch teilzunehmen.

Ich glaube nicht, dass der Mensch von Natur aus verschlossen ist. Das Neugeborene kommt offen zur Welt. Die Haut hört zu. Der Körper antwortet. Alles will Beziehung. Alles will Berührung. Erst später beginnt die Verhärtung.

Dort, wo Würde fehlt, zieht sich der Mensch zurück.

Nicht immer sichtbar. Viele funktionieren weiter. Sie arbeiten, konsumieren, sprechen ihre Sätze und erfüllen ihre Rollen. Aber innerlich wird die Welt stumm. Die Dinge rufen nicht mehr. Der Himmel öffnet sich nicht mehr. Der andere Mensch erscheint nicht mehr als Gegenüber, sondern als Risiko, Funktion oder Hindernis.

Der Eros versiegt.

Für mich ist Würde deshalb weder eine moralische Dekoration noch ein gesellschaftlicher Titel. Würde ist die Bedingung dafür, dass ein Mensch innerlich durchlässig bleiben kann.

Ein Kind, dessen Würde geschützt wird, entfaltet sich beinahe von selbst. Nicht weil es erzogen wird wie ein Projekt, sondern weil sein Nervensystem keinen Grund hat, sich zu verschließen. Es bleibt empfänglich. Es bleibt staunend. Es bleibt im Gespräch mit der Welt.

Vielleicht ist genau das der Ursprung jeder Kreativität.

Nicht der Wille zur Produktion, sondern die Fähigkeit, sich erreichen zu lassen.

Ich habe oft das Gefühl, dass unsere moderne Welt den Menschen systematisch von seinem Eros trennt. Alles wird bewertet. Alles wird optimiert. Der Mensch wird wie ein Objekt vermessen. Leistung ersetzt Anwesenheit. Sichtbarkeit ersetzt Tiefe.

Doch Eros entsteht nicht unter Druck.

Eros braucht eine Einladung.

Eine Blüte öffnet sich nicht, weil man sie anschreit.

Auch die Seele nicht.

Darum glaube ich, dass viele Formen von Sucht, Gier oder rastloser Sexualisierung keine Zeichen eines zu starken Eros sind, sondern eines verletzten. Der ursprüngliche Wunsch nach Verbindung wurde seiner Würde beraubt und kehrt nun verzerrt zurück — als Konsum, als Besitz, als ständige Suche nach Intensität.

Aber wirklicher Eros ist stiller.

Er erscheint in Augenblicken, in denen die Welt plötzlich wieder antwortet.

Die Hand im Ton.
Der Geruch von Regen auf trockener Erde.
Der Atem eines Hundes neben dem Bett.
Eine Frau, die lacht, ohne sich zu schützen.
Das erste Grün im Frühling.
Die Wärme einer Tasse in kalten Händen.

In solchen Momenten wird der Mensch nicht größer als die Welt. Er tritt wieder mit ihr in Beziehung.

Vielleicht ist das Würde:
nicht über den Dingen zu stehen,
sondern so gegenwärtig zu werden,
dass das Leben uns wieder erreichen kann.

Und vielleicht ist das Eros:
die Antwort des Lebendigen darauf.

Historisch stammen Eros und Thanatos aus der griechischen Vorstellungswelt und bezeichnen zwei grundlegende Kräfte des Daseins.

Eros war ursprünglich weit mehr als nur erotische Liebe. Bei Hesiod erscheint Eros als eine der Urmächte der Schöpfung — die Kraft, die Getrenntes verbindet, Leben hervorbringt und Bewegung in die Welt bringt. Später wurde Eros mythologisch als Gott der Liebe dargestellt, doch im Kern blieb er das Prinzip der Anziehung, der Fruchtbarkeit, des Verlangens nach Vereinigung und der Lebendigkeit.

Thanatos hingegen war die Personifikation des Todes. Nicht des gewaltsamen Todes, sondern des stillen, unausweichlichen Endes. In der griechischen Mythologie erscheint Thanatos oft als ruhige, beinahe sanfte Gestalt — der Bruder des Schlafes, Hypnos. Er verkörpert die Auflösung, das Verstummen, die Rückkehr in die Unbewegtheit.

Beide Begriffe entstanden aus sehr ähnlichen menschlichen Erfahrungen: der Erfahrung, dass das Leben ständig zwischen Öffnung und Rückzug, Werden und Vergehen, Geburt und Auflösung steht. Die Griechen mythologisierten diese Erfahrungen nicht als abstrakte Ideen, sondern als lebendige Mächte, die durch Natur, Körper, Liebe, Krieg, Schlaf, Sehnsucht und Tod wirken.

Eros und Thanatos waren deshalb nie bloß „Gefühle“. Sie waren kosmische Prinzipien — zwei Strömungen, die das menschliche Leben durchziehen:
die eine führt zur Verbindung,
die andere zur Auflösung.

im nächsten Post ein paar Gedanken zu Thanatos

Liebe Katharina, über Geralds younity-Newsletter kamen gestern Smartphone-Wallpapers zum Herunterladen.
Ich finde, das ist eine wunderbare Aktion. 🤩

Was hälst Du von der Idee, wenn wir diese als Ausgangspunkt nehmen und die jeweiligen Botschaften visuell verstärken?

Liebe Grüße,
Larissa

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Die Veden - die heiligen Schriften der vedischen Hochkultur Altindiens, sind eine schier unerschöpfliche Quelle ganzheitlichen Wissens, umfassender Weisheit und universeller (Selbst)Erkenntnis. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen sind über 5000 Jahre alt und wurden in Sanskrit verfasst.

Ebenso wie Yoga ist auch Ayurveda Teil der Veden und enthält das älteste überlieferte Gesundheitswissen.

Mit Vedanta, dem letzten Kapitel, enden die Veden.

Vedanta enthält die Essenz aller Erkenntnisse = die Selbsterkenntnis.
Das Ergebnis konsequenter Erforschung von Ursache und Wirkung beantwortet die zentrale Frage

"WER BIN ICH?"

Vedanta ist keine Religion - kein Glaubenssystem, sondern eine Einladung an uns mit der Selbsterforschung zu beginnen!

* *"Der Suchende Selbst ist der Gesuchte"   Franz von Assisi

https://essenz-des-vedanta.jimdofree.com/

Vedanta lädt uns ein mit der Selbsterforschung zu beginnen

Diese Video ist jetzt 5 Jahre alt, und aktueller denn je. Als ich dieses Video vor 5 Jahren das erste mal gesehen habe, hat mich das sehr inspiriert und auch man könnte sagen "wach gerüttelt". Die Frage "Warum tust du was du tust?" ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich fing an darüber intensiv nachzudenken was für ein Mensch ich in dieser Welt sein möchte. Welche Haltung habe ich zum Leben, zu meinen Mitmenschen... Warum habe ich mich auch mal "verirrt"? Wohin möchte ich gehen, und wer möchte ich sein?

Es ist und wird immer eins meiner Lieblings-Botschaften sein von Gerald, und deswegen möchte ich das heute hier mit euch teilen. LG Katherina

https://youtu.be/WZNCb0Zoy54?si=iTaLilrryPkfRa7P

Hallo ihr Lieben,

unsere Welt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – und besonders Familien spüren diese Veränderung auf vielen Ebenen. Alte Vorstellungen von Elternschaft, Beziehung, Geburt und Zusammenleben dürfen sich wandeln, damit neue Wege entstehen können.

Vielleicht spürst auch du, dass eine neue Zeit beginnt – eine Zeit, in der Bewusstsein, Liebe, Verbundenheit und ein achtsamer Umgang miteinander immer wichtiger werden. Dieser Wandel beginnt in unseren Familien.

Ich lade dich herzlich zu diesem besonderen Online-Kongress ein:

👉 Familie im Wandel – Liebe, Geburt und Eltern Sein der Neuen Zeit
12.–20. Mai 2026 | 9 Tage | Online & kostenfrei
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Ein Online-Kongress, der nicht nur Wissen vermittelt – sondern Wandlung und Heilung ermöglicht.

Ich freue mich sehr, dass ich mit euch diesen Kongress teilen darf und lade dich von Herzen ein, dabei zu sein.

In dieser besonderen Kongresszeit öffnen wir gemeinsam einen Raum für neue Perspektiven auf Familie, Geburt und bewusstes Elternsein. Dich erwarten berührende Gespräche, tiefes Wissen, persönliche Erfahrungen und praktische Impulse rund um Themen wie:

✨ Liebe, Partnerschaft & gemeinsame Entwicklung
✨ Spirituelle Empfängnis, Schwangerschaft & Geburt
✨ Neue Wege der Elternschaft: Bewusst & natürlich
✨ Kinder der neuen Zeit verstehen und begleiten
✨ Rückverbindung der Weiblichkeit & Körperweisheit
✨ Generationenheilung & Familienkultur im Wandel
✨ Bewusstseinsentwicklung & inneres Erwachen

Über 30 inspirierende Speaker & Speakerinnen teilen ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Vision für eine neue Familienkultur. Gemeinsam erschaffen wir ein kraftvolles Feld für eine neue Generation von Familien – getragen von Bewusstsein, Liebe und Verbundenheit.

Wenn du spürst, dass dich dieses Thema ruft und du Teil dieses besonderen Feldes sein möchtest, dann:
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Von Herzen alles Liebe

PS. Eine Herzensempfehlung

Ich teile selten externe Events – aber dieses hat mich sofort berührt.
Der Online-Kongress „Familie im Wandel – Liebe, Geburt und Eltern Sein der Neuen Zeit“ ist mehr als nur eine Reihe von Interviews. Er öffnet einen Raum für neue Perspektiven auf Familie, bewusste Geburt und ein liebevolles, achtsames Elternsein in unserer Zeit.

Die Impulse, Gespräche und Erfahrungen, die hier zusammenkommen, zeigen, wie sehr sich unsere Vorstellungen von Familie gerade verändern dürfen – hin zu mehr Bewusstsein, Verbundenheit und Herz.

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Familie im Wandel Online Kongress

Dieses Video hat mich sehr inspiriert, und deswegen möchte ich es gerne hier teilen als Diskussionsgrundlage. Besonders der Ausschnitt ab ca. Min 45 .

Meine Frage dazu wie seht ihr das , ist es wichtiger zu schauen nach dem "wer bin ich gewesen" oder "wer könnte ich sein" in Bezug auf Entfaltung und Entwicklung der Potentiale?

Hallo zusammen, ich bin William.

Ich wurde in Köln geboren, wo die Türme des Doms mein frühes Staunen geprägt haben und der Rhein mich lehrte, dem Fluss des Lebens zu vertrauen. Seit dreißig Jahren lebe ich in Montana — einem Ort, an dem die Stille eine eigene Stimme hat und der Himmel weit genug ist, um alle inneren Landschaften zu tragen.

Zwischen diesen beiden Welten — altem Stein und offener Weite — fand ich meinen Weg zum Selaismus. Er ist für mich der Punkt, an dem Herkunft und Werden sich begegnen.

Ich fühle mich zu Gesprächen hingezogen, die eine leise Ehrlichkeit tragen, die sich entfalten wie die Dämmerung über den Rocky Mountains. Ich bin hier, um ein wenig von meinem Weg zu teilen, von euren zu lernen und Menschen zu begegnen, die mit Präsenz und Neugier unterwegs sind.

Wenn sich unsere Wege kreuzen, freue ich mich auf den Moment.

www.williambernardbrooksauthor.com

Heute möchten wir dich zu einem besonderen Zoom-Abend einladen: Unser Mitglied Dr. Jörn Erlecke gibt eine Einführung in die Permakultur – viel mehr Haltung und Lebensweise als Gartenlehre.


Permakultur – Heilung für die Erde, ein Weg in die Zukunft

📅 Wann: 16. April 2026, 19:00 – 21:00 Uhr
💻 Wo: Online via Zoom – keine Anmeldung erforderlich

Zugangsdaten: Meeting-ID: 428 218 6495 Kenncode: ZzQe3N Link: https://us06web.zoom.us/j/4282186495


Über den Referenten

Dr. Jörn Erlecke ist Zahnarzt für biologische Zahnmedizin und begeisterter Permakulturgärtner. Er ist fasziniert vom autarken Leben und findet immer wieder einfache Werkzeuge und Lösungen für die Gartenarbeit und ein selbstbestimmtes Leben. Hier kommt ihm seine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker zugute. Er liebt das Anlegen von essbaren Waldgärten und setzt sich für den Erhalt des Waldes ein, weil Bäume eine Schlüsselfunktion für gesunde Naturkreisläufe spielen. Die Permakultur ist mit ihren konstruktiven und aufbauenden Ansätzen zukunftsweisend. Sowohl in der biologischen Zahnmedizin als auch in der Permakultur werden Zusammenhänge ganzheitlich betrachtet und so verbindet Jörn beide Bereiche, die letztendlich zur Genesung der Natur und uns Menschen beitragen. Auf seinem YouTube-Kanal stellt er einzelne Lösungswege vor und auf zahlreichen Kongressen ist er ein gern gesehener Interviewgast und teilt sein Wissen mit großer Begeisterung.


Was dich erwartet

In seinem Vortrag erklärt er die Prinzipien der Permakultur und zeigt, wie der Boden entgiftet und Humus aufgebaut werden kann. Er präsentiert an konkreten Beispielen (Komposttoilette, Erdkeller usw.), wie man mit der Selbstversorgung beginnen kann, um durch Kreislaufdenken und Schaffung einfacher Strukturen vom Mangel zur Fülle zu gelangen –

„was letztendlich zum Glück und zur Zufriedenheit von uns allen führt" – Dr. Jörn Erlecke


Wir freuen uns, wenn du dabei bist – und ebenso, wenn du diese Einladung an Menschen in deinem Umfeld weitergibst, die sich für nachhaltige Lebensweisen interessieren.

Herzliche Grüße 
Regionalakademie Süd-West der Akademie für Potentialentfaltung

Einführung in die Permakultur - Einladung zum Onlinevortrag

Die Hand des alten Mannes

Chief Moon lag nicht im Sterben. Noch nicht.

Er konnte noch gehen, doch die Welt um ihn herum war dichter geworden, gesättigt von einer Erwartung, die ich noch nicht in Worte fassen konnte. In der Stille des Hauses brachten die Verwandten des betagten Kainai-Häuptlings seine Federhaube hervor. Das Bündel barg die Taten seines Lebens: Ich sah das tiefe, satte Braun der Federn—eine Farbe wie fruchtbare Erde, gezeichnet von Jahrzehnten des Tragens in Zeremonien und Kämpfen um das Überleben. Mit einer Aufmerksamkeit, die um die weite Reise des alten Mannes wusste, legten sie ihm die verdiente Haube an. Die Stimme der Trommel, so allgegenwärtig, war verstummt. In diesem Moment ließen sie mich mit Chief Moon allein, sie hatten mich gebeten, ein Foto von ihm zu machen. —Chief Moon‘s Augen, vernarbt vom Rauch des Feuers im Tipi, schauten in meine Richtung.

Jemand legte ihm seinen lang geehrten gelben Stab in die Hand, das Licht in der Hütte flackerte und wurde heller. Er nahm ihn ohne Geste entgegen; niemand zweifelte an der Last seiner Bedeutung. Der Stab schmiegte sich in seine Hand, da, wo sie sich kannten. Wir bewegten uns hinunter zum Old Man River, der das Reservat in weiten Mäandern mit Wasser versorgte. Die endlose Prärie duldet keine Eile; der Boden unter uns war nachgiebig, durchzogen vom Schlamm des Ufers, der das gleiche tiefe Braun trug wie seine Federhaube.

Sein Augenlicht hatte ihn fast verlassen, doch er stolperte nicht. Seine Füße fanden den Weg, als käme ihm das Land entgegen. Ich hielt seine Hand – die Haut war durchsichtig – und spürte, wie sich meine Welt verschob. Ich verlor, was mir von mir geblieben war. Ich war kein „Fotograf“ mehr, kein Fremder. Ich war Teil einer lebendigen Vibration. Während unseres Ganges, erschien ein Steinadler im bewölkten Blau des Himmels. Der alte Mann hob leicht den Kopf—er hörte das Rauschen der Federn, der schrille Schrei des Adlers war der Ruf seines Bruders.  Wir näherten uns dem, den die Kainai Apistotoke nennen, den Schöpfer, der in der Stille des Windes und im Fließen des weiten Flusses sichtbar wird. Wir erreichten die verzweigte Baumwollpappel an der Flussbiegung. Weiße Samen schwebten wie lautlose Noten durch die Luft und verfingen sich im tiefen Braun der Federn seiner Haube. Er legte seine Handfläche an die raue Rinde des Pappelstammes; seine Finger schimmerten im Schatten.

Eine Melodie, ungewöhnlich im Rhythmus des Flusses, jedoch klar, wie sie in meinem Körper resonierte, drang zu meinen Ohren. Pam, Pam, Pam, Pah, pulsierte durch meine Adern, und Tage später wurden Erinnerungen an Atem und Bewegung wach.

Es war kein fernes Ideal mehr; es war die Harmonie, die durch Mark und Knochen vibrierte. Ich hob meine Kamera. Das metallische Klicken des Kameraauslösers war scharf und durchdringend; es schmolz in der schweren Stille des trägen Flusses. Die Natur um uns herum verstummte.

In dieser Stille erinnerte ich mich. Nach zwanzig Jahren war die Fotografie nicht als Beruf zurückgekehrt, sondern als Gebet. Die Grenze zwischen uns, dem tiefbraunen Boden der Erde, und dem sanften Atem der Pappel zerfloss. Der Wind berührte meinen Körper, und endlich fühlte ich mich zu Hause.

Wir blieben beim Fluss. Niemand sprach. Der Fluss floss weiter; ein Medizinmann hatte mir vor langer Zeit den Namen Niitathtaan gegeben. Er bedeutet „Der volle Fluss“. Die Samen der Pappel trieben zwischen uns hindurch und verschwanden im Wasser, als hätten sie ihren Weg längst gekannt.

Der alte Mann löste seine Hand aus den tiefen Furchen des Stammes der Pappel. Keine Geste des Abschieds, nur die Selbstverständlichkeit eines Menschen, der nichts mehr festhalten muss.

Er wandte sich leicht, und ich spürte, dass es Zeit war, zurückzugehen.

Sein Stab berührte den Boden. Schritt für Schritt fanden seine Füße den Weg, ohne zu zögern. Der Steinadler zog in hohen Zirruswolken seine weiten Kreise, ich senkte die Kamera. Sie war wieder ein einfaches Werkzeug geworden — und doch hatte sich etwas verschoben. Nicht die Welt hatte sich verändert, sondern die Art, wie sie getragen werden konnte.

Auf dem Rückweg herrschte weiterhin Stille. Das raue Prairie-Gras strich an unseren Beinen, und die Erde hielt stand  unter jedem Schritt.

Der alte Mann hielt meine Hand.

Er führte mich.

Wärme durchflutete meine Haut, meine Füße fanden die Erde.

Nicht ich hatte ihn zum Fluss begleitet.
Er hatte mich zurückgeführt — in eine Welt, in der Würde nichts verlangt, nichts erklärt und nichts beweisen muss.

 

 

Author's note.

 Mein Beruf ist Fotografie. Die Idee des Fotografierens ist bei den Blackfoot-Indianern unbeliebt; etwas wird weggenommen, was Teil ihres Seins ist. Auch ich hatte mich mit diesem Empfinden in Teil meines beruflichen Seins beschäftigt. Während der fast zwanzig Jahre meiner Zusammenarbeit mit den Kainai habe ich nie eine Kamera dorthin mitgenommen. Meine Freunde wussten von meinem Beruf. Nahe dem Ableben ihres Großvaters baten sie mich, ihn zu fotografieren.